Wie kann moderner Vereinsalltag heute und in Zukunft aussehen? Welche Angebote erreichen Mitglieder wirklich – und wie gelingt es, Vereine wieder stärker im gesellschaftlichen Mittelpunkt zu verankern? Diesen und weiteren Fragen gingen am vergangenen Wochenende zehn Vereine aus dem Kreisgebiet im Rahmen des Workshops „Modernes Vereinsleben“ nach. Eingeladen hatte der FC 96 Recklinghausen, durchgeführt wurde die Veranstaltung von FLVW‑Referentin Carmen Schomann.
Unter den Teilnehmenden befanden sich Vertreterinnen und Vertreter folgender Vereine: SG Borken, FC 96 Recklinghausen, SV Hullern, Genclik Spor Recklinghausen, Teutonia SuS Waltrop, TuS Henrichenburg, ETG Recklinghausen, BW Wulfen, SuS Concordia Flaesheim und SuS Bertlich. Gemeinsam brachten sie eine breite Vielfalt an Perspektiven, Problemstellungen und Erfahrungen aus ihrem Vereinsalltag ein.
Um die Diskussion möglichst kreativ und interaktiv zu gestalten, setzte Referentin Schomann auf das erprobte World‑Café‑Format. In drei wechselnden Gesprächsrunden erhielten die Vereinsvertreter Zeit, sich intensiv über die Themenfelder „Sport“, „Kultur“ und „Struktur“ auszutauschen.
Bereits zu Beginn zeigte sich: Die Herausforderungen der Vereine sind vielschichtig – die Lösungsansätze aber ebenso.
In den Gesprächsinseln kristallisierten sich besonders folgende Ideen heraus:
- Neue, niedrigschwellige Veranstaltungsformate, darunter Fußball‑Gottesdienste oder sportliche Begegnungstage, die religiöse, kulturelle und soziale Gemeinschaft fördern.
- Interkulturelle Angebote, um den Verein als offenen, modernen Begegnungsort zu stärken – insbesondere für Familien und Menschen mit Migrationshintergrund.
- Wiederbelebung klassischer Treffpunkte, etwa durch Vereinskneipen, Themenabende und Veranstaltungsreihen, die für mehr soziale Bindung im Verein sorgen und gleichzeitig das Dorf‑ oder Stadtteilleben beleben.
Neben kreativen Ideen kam jedoch auch deutliche Kritik zur Sprache. Besonders häufig genannt wurde der Wunsch nach Entbürokratisierung.
Viele Vereine sehen sich zunehmend mit Dokumentations‑, Förder‑ und Verwaltungsaufgaben konfrontiert, die wertvolle Ressourcen binden und ehrenamtliche Strukturen belasten. Zahlreiche Teilnehmende sprachen sich daher für einfachere und schneller zugängliche finanzielle Fördermöglichkeiten durch Sportverbände, Kommunen und Behörden aus.
Gerade kleinere Vereine mit wenigen ehrenamtlichen Kräften leiden laut mehreren Stimmen besonders unter der wachsenden Bürokratielast. Der Wunsch: Verwaltungsaufwand reduzieren, um wieder mehr Zeit für das eigentliche Vereinsleben und die Mitgliederbetreuung zu haben.
Was in allen Gesprächsrunden deutlich wurde: Die Vereine schätzen den Austausch untereinander. Viele lobten den offenen Charakter der Diskussionen sowie die Möglichkeit, Probleme gemeinsam zu beleuchten und voneinander zu lernen.
„Man merkt, dass alle Vereine mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen. Dieser Austausch ist unglaublich wichtig“, lautet ein Eindruck, der an vielen Tischen zu hören war.
Auch der Netzwerkgedanke der regelmäßigen Kreis‑Vorstandstreffen wurde ausdrücklich hervorgehoben. Die Veranstaltung beim FC 96 Recklinghausen habe einmal mehr gezeigt, wie wertvoll der Blick über den eigenen Vereinsrand hinaus sein kann.
Zum Ende des Workshops zogen die Teilnehmenden ein durchweg positives Fazit. Das Format bot nicht nur neuen Input, sondern stärkte auch das Miteinander der Vereine im Kreis. Als zusätzliche Anerkennung erhielten alle Anwesenden 25 Punkte im DFB‑Punktespiel.
Der FC 96 Recklinghausen zeigte sich als hervorragender Gastgeber, und auch FLVW‑Referentin Carmen Schomann betonte die Wichtigkeit solcher Austauschformate für die Weiterentwicklung des Ehrenamts und des organisierten Sports. Herzlichen Dank an dieser Stelle auch an Karim Bouharrou, FLVW-Clubberater, der die Veranstaltung organisiert hat.
